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Angst vor Armut prägt Familienmodelle

Experten fordern Innovationen für eine familienfreundliche Gesellschaft

Fast die Hälfte der Familien und fast 60 Prozent der Alleinerziehenden mit Kindern unter 14 Jahren rechnen damit, im Alter von staatlichen Transferleistungen abhängig zu werden. Jeder Dritte hält das sogar in naher Zukunft für möglich. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von TNS Emnid, die im März im Auftrag der Familienkommission der Bertelsmann Stiftung durchgeführt wurde.

Nicht verwunderlich, dass unter diesen Vorzeichen die Mehrzahl der Befragten insbesondere in Westdeutschland (63 Prozent) erwarten, dass das Alleinverdienermodell weiter an Bedeutung verlieren wird. Dabei spielen weniger emanzipatorische Motive eine Rolle als schlicht die Erkenntnis, dass ein einziges Einkommen nicht ausreicht, um den Familienunterhalt zu sichern. Dass in den neuen Bundesländern nur 43 Prozent erwarten, dass ein doppeltes Einkommen die Norm wird, ist wohl der dortigen schlechten Arbeitsmarktsituation geschuldet.
 
Die Mehrzahl der Befragten spricht sich dafür aus, dass für Lebensgemeinschaften mit Kindern die gleichen gesetzlichen Regelungen gelten sollten wie für die eheliche Familie. Dies gilt für Alleinerziehende, Patchworkfamilien, nicht eheliche Partnerschaften und homosexuelle Partnerschaften mit Kind – in abnehmender Gewichtung. Dies relativiert jedoch nicht die Bedeutung, die der Ehe zugeschrieben wird: 65 Prozent der Befragten leben in einer ehelichen Familie und tun dies gerne, und 19 Prozent, die nicht in einer ehelichen Familie leben, würden dies gerne tun. Nur 10 Prozent lehnen dies für sich ab, lediglich 1 Prozent leben ungern in ihrer ehelichen Familie. Meistgenannte Gründe für die ablehnende Haltung gegenüber der Ehe sind schlechte Erfahrungen (19 Prozent), der Wunsch nach Unabhängigkeit (12 Prozent) oder die allgemeine Ablehnung von Heirat und Familie.

Die Familienkommission der Bertelsmann Stiftung fordert in ihrer Position „Innovationen für eine familienfreundliche Gesellschaft“ eine Familienförderpolitik, die alle föderalen Ebenen umspannt und den unterschiedlichen Formen, Lebenslagen und Bedürfnissen von Familien Rechnung trägt. Dabei lässt sie sich leiten von der Vorstellung, dass jeder Erwachsene grundsätzlich selbst für seine eigene Existenzsicherung sorgen muss. Da, wo dies zeitlich begrenzt nicht möglich ist, so beispielsweise in der Ausbildung, in Zeiten der Erziehung und Pflege, der Erwerbslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit oder auch im Alter gebe es eine finanzielle Verantwortung der Gemeinschaft. Außerdem plädiert die Kommission für eine Begrenzung der privaten Unterhaltspflichten bei erwachsenen Kindern und bei den eigenen Eltern, um nicht den Familien einseitig die finanziellen Pflichten gegenüber ihren Angehörigen aufzubürden.

Zentrales Thema der Kommission ist, wie auch im politischen Mainstream, die Erwerbsbeteiligung von Eltern, insbesondere von Frauen. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf die aus ihrer Sicht dramatische Entwicklung, dass zwar mehr Mütter erwerbstätig sind, das Gesamtvolumen ihrer Erwerbstätigkeit aber insgesamt abgenommen hat. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind 2009 zwar vier Prozent mehr Mütter einem Job nachgegangen als 1996. Im gleichen Zeitraum hat sich aber der Anteil an Vollzeitstellen von 48 auf 27 Prozent verringert, der Anteil an Teilzeitjobs ist dagegen um 20 auf 73 Prozent gestiegen.

So kommt die Vorsitzende der Expertenkommission, Liz Mohn, zu der eher schlichten Erkenntnis: "Um der drohenden Altersarmut zu entgehen, brauchen wir mehr Vollzeitstellen für Mütter oder zumindest flexiblere Teilzeitarbeit. Voraussetzung hierfür ist eine Ausweitung der Kinderbetreuung nach der Elternzeit bis weit in die Sekundarstufe I hinein".

Hier ist zu hoffen, dass der Achte Familienbericht „Zeit für Verantwortung in Familie“, der im Herbst veröffentlicht werden wird, kreativere Lösungen erarbeitet, denn ob die doppelte Vollzeiterwerbstätigkeit tatsächlich der Rahmen ist, der genügend Platz und Zeit für Kinder lässt und in dem sich junge Menschen zuversichtlich für Familie entscheiden können, hat in dieser Umfrage niemand wissen wollen.

Infoservice 14/2011
25.05.2011 – Markus Günter



 
 
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